Der Admiral a. D., der Öffentlichkeit vor allem durch den Zwischenfall bei Gamma-7 bekannt, wechselt ins Unterhaltungsfach. Die Sendung soll über 2.700 Fragen umfassen — und er spricht jede einzelne selbst.
Horst Balkolnikov, vierzig Jahre im Dienst der Sternenflotte, zuletzt Kommandant auf Chronos Station, ist unter die Quizmoderatoren gegangen. Das bestätigte der Admiral dieser Redaktion auf Anfrage. Das Format trägt den Titel Space Quizzed und führt die Teilnehmer über dreizehn Planeten, die jeweils für ein Wissensgebiet stehen.
Nach Angaben der Entwicklung sind alle Fragen vollständig gesprochen, samt An- und Abmoderation und Kommentaren zu den Antworten. Der Admiral bestreitet das Programm im Wesentlichen allein; assistiert wird er von einer Schiffscomputer-Stimme, die auf den Namen MIRA hört.
Wer teilnehmen will, zahlt nichts. Es gibt keine Werbung, keine wiederkehrende Gebühr und keine Beutekisten; wer die vollständige Reise antreten möchte, erwirbt einmalig einen Passierschein. Die Intergalaktische hält fest, dass dies im gegenwärtigen Unterhaltungsmarkt bemerkenswert ist.
Auf die Frage, warum ein verdienter Offizier sich derartigem widme, antwortete Balkolnikov, es sei „etwas mit Struktur", und man komme unter Leute.
Der Sternenrat hat die Beratung über die neue Treibstoffabgabe erneut verschoben. Die Sitzung endete nach knapp zwanzig Minuten, ohne dass ein Beschluss gefasst worden wäre. Ein Sprecher nannte terminliche Gründe.
Für die Reaktorbetreiber im Sektor bedeutet das Planungssicherheit, wenn auch keine belastbare: Die Abgabe stand bereits in den vergangenen drei Sitzungen auf der Tagesordnung und wurde jedes Mal in derselben Formulierung vertagt.
Aus dem Umfeld des Rates heißt es, man wolle die Datenlage abwarten. Welche Daten gemeint sind, wurde nicht mitgeteilt.
Der Kurs bleibt zum siebten Quartal in Folge stabil. Die Notenbank sieht darin ein Zeichen von Stärke. Andere sehen darin, dass niemand handelt.
Ab kommender Woche gilt im Sektor 2 ein neuer Fahrplan. Die Änderungen betreffen vor allem die Abendverbindungen nach Chronos Station, die künftig eine halbe Stunde früher verkehren.
Der Aushang an den Liegeplätzen wird nachgereicht. Bis dahin gilt nach Auskunft der Verkehrsaufsicht „der alte Plan, aber mit den neuen Zeiten".
Bei Gamma-7 ist am Dienstag zum wiederholten Male ein Beiboot mit einem Asteroiden zusammengetroffen. Personen kamen nicht zu Schaden, der Asteroid ist unverändert.
Der zuständige Bootsmann wollte sich nicht äußern und verwies auf die Sonne, die dort „so blöd gestanden" habe. An der betreffenden Stelle gibt es keine Sonne.
Nach Zählung dieser Redaktion ist es der vierte Vorfall dieser Art. Die Werft hat um Verständnis gebeten.
Die Nebelbank hat sich in der vergangenen Woche nicht bewegt. Reisende werden gebeten, sich nicht auf ihre Augen zu verlassen.
Ein Sprecher der Navigationsaufsicht empfahl, langsam zu fliegen. Auf die Frage, wie langsam, folgte eine längere Pause.

Zu Ihrer Berichterstattung über die Treibstoffabgabe: Ich betreibe seit achtzehn Jahren einen Frachter. In dieser Zeit habe ich elf Ankündigungen erlebt und keine Entscheidung.
Man möge im Rat bitte zur Kenntnis nehmen, dass Warten auch etwas kostet, nur eben nicht die Wartenden dort.
— K. Ostwald, Liegeplatz 7
Jetzt auch in Würfeln — auf ausdrücklichen Wunsch der Verwaltung. Die Stange bleibt im Angebot, solange die Nachfrage besteht.
Erhältlich im Versorgungslager auf Ebene 2, werktags bis 18:00 Bordzeit.
Herr Balkolnikov, Sie haben vierzig Jahre gedient. Jetzt fragen Sie nach Hauptstädten.
Das ist gar nicht so verschieden. Auf der Brücke hat mich auch dauernd jemand etwas gefragt, und meistens wusste es keiner.
Sie sprechen jede Frage selbst. Das sind mehrere Tausend.
Ja. Man muss sich das einteilen. Ich habe früher auch die Logbücher selbst diktiert, das war ähnlich, nur langweiliger. Wobei — nein, das war der Erste Offizier. Wo waren wir?
Bei den Fragen.
Richtig. Manche sind wirklich schwer. Ich kenne die Antworten, das ist der einzige Vorteil dieser Position.
Was sagt Ihre Frau dazu?
Sie sagt, ich soll nicht so viel Butter kaufen. Das hat damit jetzt nichts zu tun, aber Sie haben gefragt.

Ob die Galaxis auf ein Quiz gewartet hat, sei dahingestellt. Wer den Admiral aus seiner Dienstzeit kennt, wird ihn hier wiedererkennen — mit allem, was das bedeutet: Er schweift ab, er verwechselt Jahrzehnte, und er kommt früher oder später auf Butter zu sprechen.
Dass ausgerechnet das den Reiz ausmacht, hätte diese Redaktion nicht erwartet. Die Fragen sind besser gebaut als der Anlass vermuten lässt; unangenehm fällt allein auf, dass man beim Verlieren von einem pensionierten Offizier getröstet wird. Das muss man aushalten können.
Bittere Nachricht für die Anhänger: Aus dem Wochenende wird nichts. Die Halle ist nicht bereit. Und diesmal ist es nicht das Dach. Es ist der Boden. Genauer: die Schwerkraft darüber.
Eins Komma acht Prozent Abweichung. Das klingt nach nichts. Wer aber am Freitag die Nordhälfte hochlaufen musste, weiß es besser. Ein Schritt pro Lauf, sagen zwei Mannschaften. Bei neunzig Minuten ist das der Unterschied zwischen einem Sieg und einer Erklärung.
Der Verband gibt sich gelassen. Der Kalibrierungsdienst komme von Nexus, in zwei Wochen, „vorbehaltlich der Anreise". Man kennt das inzwischen.
Im vergangenen Jahr dauerte dasselbe Problem elf Tage. Es wird also besser. Sagt der Verband.
Drei Jahre. Drei Jahre steht diese Weite nun, und wieder ist niemand herangekommen. Der beste Versuch der Saison blieb deutlich darunter — nicht knapp, deutlich.
Der Rekordhalter selbst tritt nicht mehr an. Ob das die Marke schmälert? „Das soll die Nachwelt entscheiden", sagt er. Man ahnt, wie er es meint.
Kein Aufstieg, kein Abstieg, keine Spannung: Der Verband hat die Regel für diese Saison ausgesetzt. Der Grund ist schlicht die Zahl der Mannschaften. Sie liegt bei zwei.
Man prüfe eine Erweiterung, heißt es. Gespräche gebe es noch nicht. Es gab sie auch im vergangenen Jahr nicht.
Man muss dem Orchester zugutehalten, dass es überhaupt gespielt hat. Was am Donnerstag im Großen Saal zu hören war, trug den Titel „Die Weite" und bestand aus etwa der Hälfte des Werks, das diesen Titel trägt.
Gestrichen wurden der zweite und der vierte Satz — jener also, der die Motive einführt, und jener, der sie auflöst. Übrig blieb ein Eröffnungssatz von vierzig Minuten und ein Finale, das ohne jede Vorbereitung über den Saal fällt wie ein zugeschlagenes Fenster.
Dass der Abend dennoch nicht misslang, liegt an den Streichern. Sie erfüllten ihre Aufgabe mit einer Ernsthaftigkeit, die dem Anlass nicht angemessen war, dem Werk aber sehr.
Das Publikum applaudierte an der Stelle, an der es den Schluss vermutete. Es war nicht der Schluss. Man verzeiht ihm das.
Vierzehn Stunden und zwanzig Minuten, eine Pause nach der achten. Wer das für eine Zumutung hält, hat vermutlich recht — und wird trotzdem bleiben.
Erzählt wird die Heimkehr eines Frachters, dessen Besatzung erst im letzten Drittel erfährt, dass ihr Auftrag längst erfüllt ist. Bis dahin sehen wir Gänge, Schichtwechsel, das Essen. Es ist von einer Geduld, die man erst schön findet, wenn man sie aufgegeben hat.
Die Bildführung ist ruhig, was in diesem Fall auch eine Beschreibung der Handlung ist. Diese Redaktion hat die erste Hälfte gesehen und wird über die zweite berichten, sobald sie sie gesehen hat.
Die Zentralbibliothek hat ihre Leihfristen abgeschafft. Wer einen Band mitnimmt, darf ihn behalten, solange kein anderer danach fragt. Die Verwaltung nennt das eine Anpassung an die Praxis, und man kann ihr kaum widersprechen: Von den Bänden des vergangenen Jahres kehrten neun Prozent zurück.
Ob eine Bibliothek ohne Rückgabe noch eine Bibliothek ist, mag man diskutieren. Sie ist jedenfalls die ehrlichste im Sektor.
Eröffnet wurde die Ausstellung, angeliefert wurden die Werke nicht. Der Transport verzögert sich um mindestens eine Woche, die Räume bleiben offen, der Eintritt ist reduziert.
Man ahnt, was nun kommt, und es kam auch: Mehrere Besucher lobten die leeren Wände ausdrücklich. Die Intergalaktische hält fest, dass der Titel dafür nichts kann.
Die für dieses Quartal angekündigte Kartierung von Eternitas ist ausgefallen. Eine Begründung liegt nicht vor; die zuständige Stelle war für eine Anfrage dieser Redaktion nicht erreichbar.
Es ist der fünfte angekündigte und nicht durchgeführte Versuch. Zwei davon scheiterten an der Ausrüstung, einer an der Finanzierung, bei den übrigen ist der Grund nicht dokumentiert.
Die Sektorkarte bleibt an dieser Stelle weiß. Diese Zeitung hat sich daran gewöhnt, weist aber darauf hin, dass Reisende das nicht können.

Die überarbeitete Karte des Sektors ist erschienen. Von den drei bekannten Ungenauigkeiten wurden zwei übernommen, die dritte durch eine neue ersetzt.
Betroffen ist erneut die Entfernungsangabe zwischen den beiden äußeren Liegeplätzen, die in der neuen Fassung um denselben Betrag zu kurz ist wie zuvor zu lang. Die Herausgeber sprechen von einer Verbesserung der Datengrundlage.
Die Station meldet den Versatz in der Bordzeit als korrigiert. Reisende, die während der betroffenen vier Tage angekommen sind, erhalten die verlorene Stunde nicht zurück.
Eine Erstattung sei nicht vorgesehen, heißt es aus der Verwaltung, da die Stunde nicht verkauft, sondern lediglich nicht stattgefunden habe.
Deckt Zusammenstöße mit ortsfesten Himmelskörpern. Auch bei wiederholten Vorfällen. Sektorweit, ohne Wartezeit.
Die Assistenzstimme der Sendung gehört zu einem Schiffscomputer, der nach Angaben der Entwicklung eigenständig kommentiert, wenn gerade keine Frage läuft.
Auf eine Anfrage dieser Redaktion reagierte MIRA mit dem Hinweis, sie führe keine Interviews, während ein Quiz aktiv sei. Es war kein Quiz aktiv.
Teilnehmer können im Zweifel einen Fachmann anfunken. Vierzehn Kontakte stehen bereit, jeder mit eigenem Gebiet und, wie diese Zeitung anmerkt, eigener Trefferquote.
Wer angefunkt wird, ist nicht frei wählbar. Die Redaktion hält das für realistisch.
Ich habe die Fragen überprüft. Einundsiebzig Prozent meiner Auskünfte dazu waren zutreffend. Das ist mein regulärer Wert. Einheit 7, Analytisches Relais
Der Admiral hat mich zweimal angefunkt und beide Male vergessen, wer ich bin. Ich habe trotzdem geantwortet. Oracle, Beratungsknoten
Kein Abonnement. Ich wiederhole: kein Abonnement. Nexus-9, Vertragsprüfung
Zwei Einstellungen: heiß und sehr heiß. Mehr braucht es nach Auffassung des Herstellers nicht.
sucht Nachwuchs für den Aufbaudienst in den äußeren Sektoren. Voraussetzung: Belastbarkeit, Orientierungssinn, Bereitschaft zu längerer Abwesenheit.
Reaktor-Überholung, Tankreinigung, Kalibrierung von Schwerkraftanlagen. Termine derzeit ab zwei Wochen.
VERMISST: Kater, grau, kräftig, hört auf den Namen Helmut und auf Butter, meistens auf Butter. Zuletzt gesehen bei Liegeplatz 3.
ZU VERKAUFEN: Ford Taunus, Baujahr lange her, im Weltraum kaum gefahren. Läuft. Preis Verhandlungssache.
SUCHE: Mitfahrgelegenheit nach Chronos Station, Abfahrt flexibel. Fahre nicht selbst, das hat Gründe. — Bootsmann H.
BIETE: Keksrezept meiner Tante. Mit ganz viel Butter. Gegen Selbstabholung.
GEFUNDEN: Ein Beiboot-Schlüssel, Ebene 2. Abzuholen im Aufenthaltsraum, neben dem neuen Automaten.
| Welt | Lage | Sicht |
|---|---|---|
| Trivialis | ruhig | gut |
| Colossea | Schwerkraft schwankt | gut |
| Nebulosa | Nebelbank | 0 |
| Fortuna | wechselhaft | Glück |
| Chronos | zeitversetzt | gestern |
| Eternitas | unbekannt | — |
Angaben ohne Gewähr. Die Navigationsaufsicht weist darauf hin, dass Sichtweiten im Nebel „schwer zu messen" seien.
Liegeplatzordnung: Das Abstellen von Beibooten vor Schleuse 2 bleibt untersagt. Ausnahmen sind bei der Hafenaufsicht zu erfragen, die dafür nicht zuständig ist.
Reaktorwartung: Am Donnerstag zwischen 03:00 und 05:00 Bordzeit kann es zu Helligkeitsschwankungen kommen. Das ist normal.
Neuer Automat: Der Getränkeautomat auf Ebene 2 wurde ersetzt. Der neue gibt Kamillentee aus, allerdings nur in den Einstellungen „heiß" und „sehr heiß".
Berichtigung: In Ausgabe 4.411 hieß es, Betelgeuse sei „gleich um die Ecke". Das war zu optimistisch.